Archiv | Oktober, 2013

Testbericht: USB-Oszilloskope der Einsteigerklasse

14 Okt

– Teil 1 – Modell-Vergleich der Einsteigerklasse

Hantek 1008A /  Pearl DMO 20/8.USB / Revolt

Pearl DMO 20/8.USB
EUR 139,90
CHF 199.90

Picoscope 2104

PicoScope 2104
EUR 179,99
CHF 199.95

Picoscope 2204

PicoScope 2204
EUR 228,94
CHF 249.95

Pearl DMO 20/8 PicoScope 2104 PicoScope 2204
Preis € 139,90 € 179,99 € 228,94
Kanäle 8 1 2
Bandbreite 100 kHz 10 MHz 10 MHz
max. Eingangs-
spannung
±20 V ±20 V ±20 V
Samplingrate 2.4 MS/s 50 MS/s 100 MS/s
Auflösung 12 Bit 8 Bit 8 Bit
Bezugsquellen pearl.de conrad.de conrad.de

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– Teil 2 – Erster Eindruck

Pearl DMO 20

Lieferumfang: Kabelset für 4x Kanäle, 4x BNC-Stecker, USB PC-Verbindungskabel und Software-CD (Mini-CD)

+ Preis
+ Eingangsspannung bis 400 Volt
+ Messwerte können in der Software eingeblendet werden (min, max, peak etc.)
+ Aufzeichnung der Messungen möglich

– Handbuch nur elektronisch und nur in Englisch (IMHO in Deutschland nicht erlaubt)
– Misst kHz und nicht wie heutzutage üblich im MHz Bereich
– Software lässt sich nicht intuitiv bedienen und ist nicht so benutzerfreundlich
– Messverzögerung (bei Notebooks festgestellt)

Mir fehlen bei einer ersten Probemessung sowohl bei der Echtzeit-Messung wie auch in der Aufzeichnung wichtige Ereignisse. Ein zur Kontrolle, parallel angeschlossenes Multimeter reagiert auf das Ansteuerungs-Signal eines Relais. Wir sprechen hier von sehr einfachen und trägen Signalen, die das Oszilloskop in jedem Fall ohne Mühe anzeigen müsste. Auf den ersten Blick scheint es an der zu geringen Übertragungsrate des USB 2.0 Datenbusses zu liegen. Die Real-Time Sampling Rate bis zu 2,4 MS/s sollte genügend Spielraum für diese Art Messung bieten.

Pearl bezieht dieses Produkt über die Firma Revolt und diese vom chinesischen Hersteller Hantek (Modell 1008A)

Quellen:
Pearl >> http://www.pearl.de/a-PX1374-5425.shtml
Revolt >> http://www.revolt-power.de/USB-OSZILLOSKOP-PX-1374-919.shtml
Hantek >> http://hantek.com/en/ProductDetail_2_140.html

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– Teil 3 – Vergleich mit einem analogen Oszilloskop

Bewaffnet mit einem Signalgenerator habe ich einen weiteren Test durchgeführt. Bis 50 kHz zeichnet das Pearl Oszilloskop wirklich schöne Signale, danach werden die Signale immer etwas schlechter. Bei 100 kHz ist gemäss Hersteller die max. Frequenz-Bandbreite erreicht und das Sinussignal wird an den Spitzen immer eckiger.

Software

Limite erreicht, die Kurven werden immer eckiger…

Ruft man sich aber fairerweise den Kaufpreis vor Augen, so kriegt man schon sehr viel fürs Geld geboten. Je nach Tätigkeitsfeld ist man mit dieser Bandbreite bedient oder dann halt nicht. Dass muss man sich vor dem Kauf überlegen. Das Oszilloskop von Pearl überzeugt mich jedoch wie schon im Teil 1 erwähnt nicht bei der Reaktionszeit. Ist man nämlich auf der Pirsch nach Störsignalen oder sehr kurzen Signalen, bekommt man diese nie zu Gesicht.

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– Teil 4 – Vergleich mit einem zweiten PC

Ich wollte die Messungen noch mit einem Desktop-PC überprüfen, der über eine USB 3.0 Schnittstelle verfügt. Und siehe da, diesmal reagierte das Oszilloskop bedeutend schneller und von der Verzögerung, die ich auf dem Notebook festgestellt hatte, war nichts mehr zu spüren.

Dies kann mehrere Ursachen haben:

  • Limitierte Geschwindigkeit des USB-Busses
  • BIOS- und Treiber-Einstellungen welche die Geschwindigkeit reduzieren
  • Ungenügende Stromversorgung des USB-Busses
  • Antivieren-Programme welche den PC ausbremsen
  • Defektes oder billiges USB-Verbindungskabel
  • und und und

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– Teil 5 – Fazit

Obwohl der Hersteller des von Pearl angebotenen Oszilloskopes dieses speziell für den Fahrzeug-Bereich anbietet, „Cost-effective 8 channels oscilloscope for vehicle testing„, kann es mit gutem Gewissen auch für Hobby-Reparaturwerkstätten angeboten werden.

Speziell gut gefällt mir am Pearl DMO 20 der grosse Spannungs-Messbereich von bis zu 400 Volt, denn so kann man dieses Gerät kaum aus Versehen oder aus Unaufmerksamkeit zerstören. Dies freut bestimmt nicht nur Anfänger und Einsteiger, sondern auch Profis, die damit arbeiten wollen. Zudem kann man sich den Kauf von zusätzlichen Messsonden sparen, die in der Regel nicht gerade günstig sind.

Ob man tatsächlich die 8 Kanäle je benötigen wird, bezweifle ich mal an dieser Stelle. Umgekehrt ist man bestimmt mal froh über zwei Kanäle, wenn man gleichzeitig den Eingang und Ausgang einer Schaltung beobachten möchte. Dies sollte man sich vor dem Kauf des PicoScope 2104 gut überlegen, ob sich der Aufpreis für das PicoScope 2204 sich doch lohnen könnte.

Den grössten negativen Punkt am Pearl DMO 20 mache ich an der Bandbreite von nur 100 Kilohertz fest. Dies ist heute nicht mehr zeitgemäss, hängt aber natürlich stark vom Einsatzbereich ab. Wer nicht solch hohe Frequenzen messen muss, der kann ganz gut damit leben und spart sich € 40,00 respektive € 90,00 gegenüber den Modellen von Picotech.

Ich revidiere hiermit meine ursprüngliche negative Meinung über das Pearl DMO 20 und spreche für alle drei Modelle eine Kaufempfehlung aus, da es schlussendlich vom Einsatzweck abhängt.

Bei diesen drei verglichenen Modellen zeigt sich, dass sich die Weissheit you get what you pay for bewahrheitet. Wer sich darüber hinaus für ein professionelles USB Speicher-Oszilloskop interessiert, der gibt schnell einmal das Zehnfache aus.

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– Nachtrag – Aufgepasst!

Es scheint als würden Messverzögerungen auftreten, wenn man das Oszilloskop von Pearl via Notebook betreibt! Konnte dieses Verhalten mit zwei unterschiedlichen Notebooks überprüfen. Mit einem Desktop-PC funktioniert es einwandfrei. Ich kann es mir nur so erklären, dass bei Notebooks oft die USB-Ports eine Doppelbelegung aufweisen, wie Bluetooth oder SD-Kartenleser. Ich bleibe am Problem dran und melde es an dieser Stelle wieder, sobald ich mehr weiss. Habe das Oszilloskop inzwischen verkauft, da mir Pearl beim Problem mit den Messverzögerungen nicht weiterhelfen wollte / konnte.

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!!! Have fun !!!

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